Chlamydien – Viele haben sie, nur wenige (er)kennen sie

Chlamydien (Chlamydia trachomatis) ist vermutlich die häufigste beim Sex übertragene Infektion (STI) in Deutschland.

Davon betroffen sind zumeist Jugendliche und junge Erwachsene – Männer und Frauen gleichermaßen. Doch obwohl Chlamydien so stark verbreitet sind, wissen nur wenige von dieser STI. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung (BzgA) kennen nur 14% der Deutschen die Erkrankung. Man geht davon aus, dass sich circa 10% aller sexuell aktiven Jugendlichen und Erwachsenen mit Chlamydien anstecken. Da die Erkrankung in Deutschland nicht meldepflichtig ist, gibt es aber keine genauen Zahlen. Einzige Ausnahme ist hier das Bundesland Sachsen, in dem eine Labormeldepflicht für Chlamydien besteht. Dort wird ein starker Anstieg der Chlamydieninfektion registriert, auch in ganz Europa ist dieser Trend zu beobachten.

Woran man Chlamydien erkennen kann

Das Tückische an Chlamydien ist, dass sich bei bis zu 70% der Betroffenen Frauen und 50% der Männer keine Symptome bemerkbar machen. Trotzdem können sie beim ungeschützten Sex weitergegeben werden.

Folgende Anzeichen können ein Hinweis auf eine Infektion mit Chlamydien sein.

● Ausfluss aus Scheide, Penis oder After
● Zwischenblutungen
● Brennen oder Schmerzen beim Pinkeln
● Schmerzen beim Sex, Vaginal und/oder Anal
● Juckreiz an Scheide, Penis oder Po
● Schmerzen am Hoden oder im Unterleib

Sollten Sie Symptome dieser Art feststellen, oder mit einer Person Sex gehabt haben, die sich mit Chlamydien angesteckt hat, empfehlen wir den Test bei einem Arzt oder einer Ärztin des Vertrauens. Manche Gesundheitsämter machen diesen Test auch anonym. Hier finden Sie Gesundheitsämter in Ihrer Nähe.

Wenn Sie oft wechselnde Sexpartner haben, empfehlen wir, sich mindestens einmal im Jahr auf STI testen zu lassen.

Wie Chlamydien übertragen werden und wie man sich schützen kann

Da Chlamydien meist nur geringe Beschwerden verursachen, wissen viele Menschen nichts von ihrer Infektion und geben sie so unwissentlich weiter.

Sie werden bei direktem Kontakt mit Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten übertragen. Bei ungeschütztem Sex und dem gemeinsamen Gebrauch von Sex Toys werden die Bakterien weitergegeben. Kondome können das Risiko, sich mit Chlamydien zu infizieren erheblich reduzieren.

Untersuchung und Behandlung

Um eine Infektion festzustellen, wird je nach Beschwerden oder sexuellen Praktiken ein Abstrich aus der Harnröhre, dem Anus oder dem Muttermund genommen. Bei der sogenannten Screeninguntersuchung, die jungen Frauen bis zum 25. Lebensjahr angeboten wird, handelt es sich in der Regel um eine Urinuntersuchung..

Um eine Infektion zu behandeln, werden Antibiotika eingesetzt. Bis zur nächsten Untersuchung, die eine erfolgreiche Behandlung bestätigt, sollte auf jeden Fall geschützter Sex praktiziert werden.

Der oder die Partner*innen (alle innerhalb der letzten 60 Tage) sollten sich auf jeden Fall auch untersuchen lassen, ob eine Infektion vorliegt, damit es nicht zum Ping-Pong-Effekt kommt.

Die bayerischen AIDS-Hilfen bieten noch bis Juli 2019 kostenpflichtig den S.A.M. Heimtest an. Nach einer Registrierung, die persönlich bei der AIDS-Hilfe oder online erfolgen kann, wird ein Set zur Selbstabnahme für Tests auf Chlamydien, Gonokokken, Syphiliserreger und HI-Viren nach Hause geschickt. Die Proben werden selbst per Post verschickt und in einem zentralen Labor ausgewertet. Wenn das Ergebnis fertig ist, bekommt man von der AIDS-Hilfe eine SMS. Weitere Informationen unter: samtest.de.

Bildhinweis: Chlamydophila psittaci FA stain von CDC / Dr. Vester Lewis (gemeinfrei)

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